HÖREN WIR AUF, UNS AKTIVIST*INNEN ZU NENNEN!

Diesen Text haben Charli und Christopher am 25.9.2020 in der taz.die tageszeitung veröffentlicht. Wir freuen uns, wenn ihr ihn hier mit uns diskutiert.

Aktivist*innen sind Menschen mit reinem Gewissen und dreckigen Füßen. Verbissen widmen sie ihr Leben „der Sache“ statt einer richtigen Arbeit nachzugehen. Ihre Krätze bekämpfen sie mit veganem Teebaumöl, weshalb die Milben weiter im Wollpulli aus der Umsonstkiste kleben. Die Steigerungsform von Aktivist*innen lautet neuerdings Aktivisti, wobei unklar ist, ob das süß klingen oder ein italienischer Plural sein soll. Eins sind Aktivisti jedenfalls nicht: ernstzunehmen.

Keine Sorge – wir wissen, wir sind mehr als eine Selbstbezeichnung und die ihr anhaftenden Klischees. Wir wissen auch, dass manche von uns sich gut überlegt haben, warum sie sich „Aktivist*innen“ nennen. Trotzdem stellen wir uns die Frage: Welche Wirkung hat dieses Wort und was sagt es darüber aus, wie wir als Bewegung agieren? In der Presse sind Aktivist*innen diejenigen, die zwar etwas wichtiges zu sagen haben, aber auch stark übertreiben. Die mediale Rolle, die wir über die Selbstbezeichnung annehmen, entwertet, was wir sagen.

Und: „Aktivismus“ klingt nach etwas, das Menschen nicht mal eben tun können, sondern nach einer Lebensentscheidung. Aktiv sein, sich in politische Prozesse einbringen, können hingegen alle. Deshalb suchen wir keine coole neue Selbstbezeichnung. Weil wir so wieder ein „Wir“ und „die Anderen“ schaffen. Wenn wir uns permanent als vom Rest der Gesellschaft verschieden und irgendwie krasser markieren, bleiben „wir“ auch wenige. Statt eine Massenbewegung zu werden, in der sich unterschiedliche Menschen wiederfinden, um großen politischen Druck aufzubauen.

Benennen wir lieber Gemeinsamkeiten, auf denen neue Kontakte und breitere Bündnisse entstehen können – wo wir leben oder was wir (doch) arbeiten – und vor allem: sagen wir, was genau wir tun, wenn wir von „Aktivismus“ reden. Benennen wir, wofür wir kämpfen, und warum wir das tun. „Ich bin Landwirtin und setze mich gegen Braunkohle ein, weil die Klimakrise unser aller Zugang zu Nahrung gefährdet“ schafft so viel mehr Beziehung als „Ich bin Klimaaktivistin“.

8 Gedanken zu „HÖREN WIR AUF, UNS AKTIVIST*INNEN ZU NENNEN!

  1. Ich glaub ich kann euch da nicht zustimmen. Es braucht radikale Menschen, die den Diskurs verschieben. Und es braucht für Menschen, die immer und immer wieder von Repression betroffen sind, auch eine kollektive empowernde Selbstbezeichnung. Natürlich kann das ganze auch etwas identitär und vlt sogar elitär daherkommen. Aber ohne politischen Aktivismus hätten wir vieles nicht erreicht was uns heute selbstverständlich wirkt (das stellt ihr ja auch nicht infrage), aber für mich ist es auch enorm wichtig mich als Teil einer Bewegung zu begreifen, in der schon viele tolle Menschen vor mir kamen und nach mir kommen werden. Nur so kann ich für mich auch eine kapitalistische Vereinzelung überwinden und ein Gefühl der kollektiven Verbundenheit entwickeln, die mir dringend benötigte Kraft in einem beschissenen politischen Klima gibt. Ich will mich auf eine aktivistische Geschichte berufen können um wenigstens ab und zu das Gefühl der Wirksamkeit gegen einen übermächtigen Gegner entwickeln zu können. Wir könnten das auch außerparlamentarische Opposition oder Widerstand nennen, denke aber nicht dass diese Labels auch nur einen Funken inklusiver sind als „Aktivist*in“, eher im Gegenteil.

    Was dieses „wir müssen eine Massenbewegung werden“-Ding angeht, argumentiere ich selbst oft genug dafür. Und es ist scheiße sich für was krasseres zu halten als der „Rest der Gesellschaft“. Aber wenn wir auf die letzten paar Jahrzente schauen, sind wirklich tiefgreifende Veränderungen wirklich oft von radikalen, progressiven Kräften ausgegangen, die auch mal nen Castorzug geschottert haben, was Oma Hilde sicher nicht gemacht hätte. Warum sollten sich solche Kräfte nicht Aktivist*innen nennen dürfen oder sollen? Sie stehen offenbar im Widerspruch zu einer hegemonialen Politik und erkämpfen jeden Tag ein besseres Leben. Wichtig zu betonen bleibt natürlich, dass Aktivist*in sein natürlich längst nicht nur bedeutet in der Kohlegrube zu sitzen und das kritisiere ich ebenso. Aktivismus bedeute Care-Arbeit und Sorge füreinander, bedeutet Kollektivität, bedeutet Lebensmittel selbst herstellen, bedeutet Freiräume aufbauen und vieles, vieles mehr. Für manche bedeutet es auch einfach, trotz der kapitalistischen, patriarchalen und rassistischen Zurichtung, zu existieren und in dieser Welt Raum einzunehmen.

    Also ja, ich stimme euch zu dass wir das Label der „Aktivist*in“ erweitern müssen. Aber nicht, dass dieses Label keine Legitimation hat. Ich bezeichne mich auch als queer (oder auch „queer activist“) und ordne mich damit streng genommen in ein „wir“ ein, dass nicht alle einschließt und keine Masenbewegung wird oder werden will. But don’t forget: Das Label geben wir uns nicht weil wir uns für was besseres halten. Sondern weil uns die Gesellschaft an vielen Stellen ausschließt. Aber genau deswegen schaffe ich mir Zugehörigkeit zu einem „Wir“, das für mich Platz bietet. Bietet denn die Mehrheitsgesellschaft Platz für Menschen die den Kapitalismus überwinden und radikal für Klimagerechtigkeit kämpfen wollen? Selten. Im Gegenteil: Sie begegnet uns mit Gewalt und Repression. So please don’t make it sound like we’re just excluding others with that label because that’s our aim.

    Ach ja und das „Aktivisti“ hat sich etabliert weil es eine genderneutrale Form ist, die aber kürzer als „Aktivist*innen“ ist. Finde ich aus queerer Perspektive alles andere als cool das so ins Lächerliche zu ziehen, machen wir bei anderen Selbstbezeichnungen ja auch nicht?

    1. Wir freuen uns sehr über kontroverse Rückmeldungen und sind auch innerhalb des Kollektivs wort.wechsel nicht einer Meinung, was die Bezeichnung als „Aktivist*in“ betrifft – manche von uns nutzen sie manchmal, andere nie.

      Unser Anliegen mit der taz-Kolumne ist in erster Linie, die öffentliche Bezeichnung als „Aktivist*innen“ zu hinterfragen. Es geht uns darum, nicht in jedem social media post von „Aktivisti“ zu sprechen. Wir sind Menschen, Personen, Leute, wie alle anderen. Als „Aktivist*innen“ entmenschlichen wir uns jedoch ein Stück weit. Ein drastisches Beispiel dafür: Es gefällt uns nicht, aber wir glauben, es macht einen Unterschied, ob die Polizei auf „Menschen“ oder auf „Aktivist*innen“ einschlägt. Bei Letzteren wird die Assoziation sein, dass Polizeigewalt für sie einigermaßen normal ist. Natürlich gilt es, diese Zustände im Medienbetrieb und bei der Polizei zu kritisieren und sich nicht ihnen unhinterfragt anzupassen. Aber wir sollten sie auch nicht ignorieren. Und was schadet es, uns öfter mal als „Menschen“ zu bezeichnen?

      Wir erleben in der Öffentlichkeitsarbeit zudem oft die Schwierigkeit, unsere Kritik an den herrschenden Verhältnissen und unsere Visionen einer gerechteren Welt als wahr, relevant und politisch möglich zu kommunizieren. Das, was soziale Bewegungen machen, ist schließlich oft radikal anders als das, was die meisten Menschen gewohnt sind – und scheint so zunächst unlogisch und unmöglich. Was medial von uns transportiert wird, ist dann häufig nur noch „radikal“ und die Inhalte gehen verloren. Denn mit der Bezeichnung der „Aktivist*innen“ nehmen wir die Rolle der „Radikalen“ im Medientheater ein – wir haben dann dort unseren Platz neben den Politiker*innen, den Expert*innen, den Unternehmen und Co – inklusive den entsprechenden Erwartungen an unsere Rolle, denen wir nicht so einfach entkommen können.

      Unsere taz-Kolumne ist von unseren Erfahrungen in der Klimabewegung geprägt. Die Selbstbezeichnung als „(Klima-)Aktivist*in“ geschieht dort zumindest teilweise vor einem anderen Hintergrund als bei Aktivist*innen der queeren Community oder Bewegungen von People of Colour, in denen die eigene Positionierung Gegenstand des politischen Kampfes sind. Natürlich ist es völlig legitim, wenn wir uns als queer definieren und darin Zugehörigkeit und Geborgenheit mit Menschen finden, die spezifische Erfahrungen, Gefühle und Kämpfe teilen, und uns in queerer Bewegung auch bewusst abgrenzen von heteronormativer Kultur, die Queerness nicht wirklich will. Im Gegensatz dazu ist (Klima-)Aktivistin jedoch keine Identität, die in ähnlicher Weise strukturelle Diskriminierung erfährt.

      Auch in der Klimagerechtigkeitsbewegung werden wir von anderer Seite angegriffen (Staat, Konzerne, Rechtsextremismus) und da kann die Selbstbezeichnung als Aktivist*in ein Weg sein, sich einer Community zugehörig zu identifizieren und so ein Gefühl von Rückhalt zu schaffen. Aber auch dann stellt sich die Frage, was Selbstbezeichnungen mit uns machen. Ist das Narrativ, dass wir als Klimaaktivist*innen echten Rückhalt nur innerhalb der eigenen Kreise erfahren wahr – und hilfreich für unsere politischen Ziele? Wenn wir wollen, dass möglichst viele Menschen diese Ziele teilen und wenn wir für möglich halten, dass das irgendwann geschieht, müssen wir glauben, dass es von den meisten heutigen Standpunkten in der Gesellschaft Anknüpfungsmöglichkeiten in die Utopie gibt. Diese Leute sind also potenziell gar nicht unbedingt „gegen uns“ oder gegen unsere Ziele und könnten sich mit uns politisch engagieren. Als „Aktivist*innen“ machen wir uns jedoch ein Stück weit zu den einzigen, die für gewisse politische Arbeit zuständig sind. Wollen wir das?

      Was wir mit unserer Kritik am Aktivismus- bzw. Aktivist*innen-Begriff sagen wollen, ist vor allem: Lasst uns präziser werden, wer wir sind und was wir wollen, damit mehr Menschen erkennen können, dass wir von ihnen, und unsere Meinungen von ihren, gar nicht so verschieden sind. Denn Kleingruppen und radikale Bewegungen können Kraftwerke verhindern oder den Ausstieg aus einer Form der Energieproduktion mit herbeiführen, aber um den Kapitalismus zu überwinden und dauerhafte soziale Gerechtigkeit zu schaffen, müssen sich letztendlich alle bewegen. Wir glauben, dass klare und einladende Kommunikation eine bessere Voraussetzung dafür schafft.

  2. Ich würde Eurem Text so nicht zustimmen.
    Ich bin seit ca. 25 Jahren ehrenamtlich in linken politischen Kontexten unterwegs. Ich schätze, dass ich im Durchschnitt 10-20h pro Woche dafür an Zeit einsetze.
    Für mich braucht es einen Begriff, der diese Intensität und Qualität von ehrenamtlichem politischen Aktivsein beschreibt. Das hat in meinem Verständnis nichts mit „elitär“ zu tun, aber es ist schon ein Unterschied, ob ehrenamtliche politisches Engagement über viele Jahre integraler Teil meines Lebens ist und ich andere Lebensbereiche wie z. B. Lohnarbeit danach ausrichte oder deswegen beschränke, oder ob jemand z. B. gelegentlich auf eine Demo geht, ab und an mal eine Unterschrift irgendwo setzt oder mal zwei Jahre während des Studiums politisch aktiv ist. All das finde ich auch gut, ist aber aus meiner Sicht was anderes als das, was ein zentraler Teil meines Lebens und meiner Identität ist.
    Mir fällt dafür kein anderer Begriff als Aktivist*in ein. Berufsrevolutionär*in taugt ja irgendwie auch nicht :)… und das von der Bewegungsstiftung verwendete „Bewegungsarbeiter*in“ finde ich zwar schön, aber nicht sehr selbsterklärend. Ich selbst sage allerdings häufiger „Ich mache Aktivismus“ als „Ich bin Aktivist*in“ oder verwende andere Formulierungen wie „Ich bin in sozialen Bewegungen aktiv“ oder „ich mache ehrenamtlich politische Arbeit“ – dh neige auch zu Bezeichnungen, die etwas weniger auf eine Identitätsbeschreibung herauslaufen als „ich bin Aktivist*in“. „Aktivisti/s“ verwende ich allenfalls beim Sprechen, weil sich da Sternchen/Unterstrich nicht so einfach aussprechen lassen.

    Trotzdem würde es aus meiner Sicht würde nicht um die Abschaffung des Begriffs gehen, sondern eher darum, eine bessere gesellschaftliche Anerkennung von Aktivismus zu bewirken (wenn der Begriff überhaupt so konnotiert ist, wie Ihr annehmt – da bin ich mir auch nicht völlig sicher). Und darum, „unsere“ (also linke/linksradikale) Organisationen, Netzwerke, Bewegungen zugänglicher für viele Leute zu machen. – dabei spielt ein Wort aus meiner Sicht nur eine untergeordnete Rolle.

  3. Für mich ergibt eine Identität als Aktivist rein aus dem Grund keinen Sinn, weil man eine andere Identität braucht , als Mutter, Arbeiter, Studierender, etc, um Mißstände aus einer gesellschaftlichen Perspektive erkennen zu können. Eine reine Aktivistenidentität erscheint mir lebensfern, über den Dingen stehend……..eigentlich fast festivalartig. Wenn Menschen anfangen sich in ihrer und für ihre Bewegung zu feiern ohne unter gesellschaftlichen Zwängen zu stehen, wie sehr viele Menschen, die nicht aus dem weißen Bildungsbürgertum stammen, dann ist die politische Errungenschaft wie ein kalter Furz, weil sie sich nicht klarmacht in welchem Kontext sie agiert. Für wen wird warum auf diese Art Politik gemacht? Und wer steht dann hinter der Alternative zum derzeitige , kritisierten Modell.? Was kommt nach dem Aktivismus, wenn Alltag nicht als Teil von Aktivismus definiert wird.? Überlassen wir das dann wieder Politikern und stehen in 15 Jahren otravez als Aktivisti auf der Straße?Wie wird Aktivismus zu einem für alle zugänglichen Bewusstseinszustand? In meinen Augen ergibt Aktivismus, der von wenigen ausgeht keinen langfristigen Sinn…..ersiees kann Stop schreien, aber die Verhältnisse verändern müssen Hinz und Kunz

  4. Ich glaube, es braucht die Aktivistas (wieder eine neue Form), die als Anschieber*in, Vor- und Querdenker*in, als Aufwecker*in und Vorangeher*in die Masse aktivieren. Ist das geschafft, kann aus dem Aufbruch ein Umbruch werden. Wenn die Aktivistas dazu einen realen Background haben (z. b. Landwirtin gegen Braunkohle), hilft das sehr. Notwendig ist es aber m.E. nicht.

  5. wir finden euch echt scheisse
    ihr kack elite studis
    kommt mal von eurem presse film runter
    und achtet was passiert auf der straße
    das ist ein kampf und kein spielfilm
    wenn leute wie ihr weiterhin pressearbeit machen sind wir alle verloren
    und können auch gleich aufhören irgendwas noch zu machen
    hört auf für eine bewegung zu sprechen auf die ihr nur von oben herabschaut
    und richtig gute idee interne szene streitereien in der presse zu
    veröffentlichen
    eure verhalten macht uns alle kaputt, unsere bewegung, unseren kamp für
    eine gerechtere welt

  6. Natürlich ist es eine Lebensentscheidung, aktiv zu sein und zu bleiben und zu behaupten, das ginge alles nebenbei verschleiert das es ganz viel verändert. Wenn ich das wirklich mit meinem Leben verbinde und die Diskussionen auch führe, gibt es Menschen die sich abwenden, weil sie immer dieses politische nicht hören wollen. Die Frage danach, ob ich nicht endlich mal was vernünftiges machen will, mit einem selbstbewussten NEIN beantworten zu können, all das hat natürlich mit ganz vielen langfristigen Entscheidungen zu tun, sonst ist meistens nach dem ersten Strafverfahren Schluss. Aber das nur vorab.

    In Kommunikation zählt vor allem Ehrlichkeit, sonst werfen uns Menschen doch nur in den gleichen Topf wie Politiker*innen-Reden und das heißt für mich auch ehrlich zu benennen, was für mich wichtig ist. Wenn ich schreiben soll, was ich arbeite, so hab ich zwar ne Lohnarbeit, aber nur um Leben und aktiv sein zu finanzieren, aber Arbeit ist eben auch mehr, Arbeit ist auch Flyer layouten, plakatieren gehen, Gerichtsprozesse führen. Ich lebe in ner Stadt, aber wichtig ist mir, dass ich den status quo nicht ertrage und deshalb mich entschieden habe zu kämpfen, weil es notwendig ist, um den Kapitalismus abzuschaffen, aber eben auch jede andere Herrschaftsform.
    Mir ist nicht besonders wichtig, wie wer das bezeichnet, Aktivistin ist halt ein Begriff, der es trifft, Anarchistin wäre ein anderer den ich auch hin und wieder benutze (dann denken die Leute an Bombenleger). Ehrlich gesagt glaube ich auch nicht das Selbstbezeichnungen wie ich bin Arbeitslose oder Kriminelle tatsächlich besser wirken würden. Eine Selbstbezeichnung nach Beruf wählen zu können und damit überzeugender zu wirken, ist ein Privileg (das vorzuschlagen sagt auch viel über euch aus). Das sieht mit Orten nicht viel anders aus, wenn mensch sich auf abgeschriebene Stadtteile beziehen würde. Entsprechende Bezeichnungen nach deren Ansicht oder Akzeptanz zu wählen, kann also nur ein Irrweg sein, der sich eben nur an den Meinungen und Ansichten der Herrschenden orientiert und so meiner Überzeugung nach auch wenig zu Wandel beitragen kann.

  7. Pressearbeit ist der schmale Grad dazwischen, etwas so ehrlich und radikal zu schreiben wie möglich, ohne Leute abzuschrecken und sich in Formulierung und Art so sehr an eine Gesellschafts- und Presselogik anzupassen wie nötig, ohne sich dabei komplett selbst zu verraten.

    Aus einer Presselogik verstehe ich, warum ich mich eher als Bäuerin bezeichne – weil Arbeit ein Fetisch ist in dieser Gesellschaft und Menschen, die arbeiten sind wertvoller und glaubwürdiger, sie haben einen Beruf, sind also volle Bürger_innen.
    Aus einer Aktivist_innen Perspektive würd ich mich (alllein schon aus Provokation) als arbeitslos bezeichnen, oder als Feminist_in, Anarchist_in oder als Spaziergänger_in. Damit werde ich einige abschrecken und andere verwirren.

    Je nach Anlass muss ich entscheiden ob mir wichtiger ist der Medienlogik zu widersprechen (die Spaziergängerin) oder mich der Medienlogik anzupassen (die Arbeiterin) um mein Statement rüberzubringen.

    Der Begriff Aktivist_in kann eine elitäre und moralische Überhöhung der Person schaffen, das war der Hauptkritikpunkt. Andere Leute sagen hier, sie brauchen den Begriff als positive Selbstbestärkung, Zusammengehörigkeitsgefühl und als Belohnng (?).
    Natürlich will ich ne Wertschätzung für meine Arbeit haben, aber brauche ich dafür diese Bezeichnung? Vor allem, wenn es mir meist nur meine Privilegien überhaupt ermöglichen so viel Zeit da rein zu stecken, was andere neben Lohnarbeitszwängen, Care-Arbeit usw machen?

    Vielleicht braucht mensch eher einen Begriff, der die Ideologie beschreibt wie bei „Antifa/ Feministin…“, anstatt es wie eine Berufsbezeichnung wirken zu lassen („Vollzeitaktivistin“) ?

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